Dienstag, 20. Juli 2010

Exkursion der Waldorfschule Freiburg-Rieselfeld nach Eichstetten

Im Rahmen ihrer Projekttage setzte sich eine Gruppe von sieben Schülern der Waldorfschule Freiburg-Rieselfeld mit Wertschöpfungsketten auseinander. Mit dem Besuch der RWAG, deren Ziel es ist, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen, stand die Bedeutung regionaler Produktion und Vernetzung im Vordergrund.

Heute zunehmend normal geworden ist der globale Handel, einerseits hinsichtlich der Produktionsgüter der Landwirtschaft (Kraftstoffe, Saatgut und Düngemittel), die den produzierenden Betrieben vorgelagert sind und die von ihnen eingekauft werden müssen, andererseits in Bezug auf den Verkauf. Dort konkurrieren die lokal hergestellten (Bio-) Produkte mit solchen aus Spanien, Südamerika oder Neuseeland.

Ziel der RWAG ist es, mit ihren Partnerbetrieben und der Unterstützung ihrer Aktionäre aus der Region, wieder einen Schritt in Richtung Unabhängigkeit von jenen globalen Stoffströmen zu gehen, da die Region im Grunde alles bietet, was eine unabhängige Landwirtschaft benötigt.
  • Samenfestes Saatgut, das an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und weniger abhängig von Dünger und Pflanzenschutzmitteln ist
  • Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen
  • Düngemittel aus der Rinderhaltung
  • und ausreichend Kunden, die eine solche nachhaltige Landwirtschaft tragen können.

Die Führung begann mit einem Vortrag von Annette Feldmann (Gärtnerin). Sie erläuterte, was die Gärtnerei Querbeet (Partnerbetrieb der RWAG) anders macht, als es heute gängige Praxis ist. Nicht selbstverständlich sei es, dass Betriebe heute ausbilden. Die Ausbildung und Beschäftigung mit jungen Menschen sei zeitintensiv und nicht so gewinnbringend wie der Einsatz von ausgebildeten Fachkräften oder Saisonarbeitern. Nicht normal sei es auch, dass in einem Betrieb so viele verschiedene Kulturen angebaut werden, wo es doch viel rentabler wäre, sich auf eine Sorte zu spezialisieren und am Ende auch billiger, wenn das Saatgut einfach von einer Firma bestellt werden könnte, genau wie die passenden Düngemittel.



Anschließend ging es im Traktor-Anhänger quer durch die Weinberge zum Kuhstall von Sebastian Groos, wo die Schüler einiges über Viehhaltung und Käseproduktion erfuhren und das für die ökologische Landwirtschaft so wichtige Abfallprodukt, den Mist. Genau wie Annette Feldmann erzählt Sebastian Groos von der Viehhaltung im Kaiserstuhl, die früher üblich war und im Rahmen landwirtschaftlicher Spezialisierung heute am Kaiserstuhl zu den Raritäten zählt.


Bei der Bewertung aller Entwicklungen (z.B. der Globalisierung der Wertschöpfungsketten) sollte man also öfter fragen, welche Vorteile und welche Nachteile diese mit sich bringen und hinterfragen, was die Normalität, an die wir gewöhnt sind, bedeutet: ob und in welchen Bereichen sie gut ist und an welcher Stelle man etwas zu einer positiven Entwicklung beitragen kann.

Im Rahmen der Projekttage an der Waldorfschule Freiburg-Rieselfeld haben sich die Initiativen Eine Welt Forum Freiburg und der FreiTaler als Projektpartner zur Verfügung gestellt. Der Besuch bei der Regionalwert AG war ein Programmpunkt von insgesamt 6 Modulen, die den Schülern/Innen zur Auswahl standen.


Text: Karin Kook
Fotos: Jens Mannheim & Karin Kook